AGS-Positionspapier: Solo-Selbstständige unterstützen

Große Teile von Politik und Gesellschaft gehen teilweise immer noch davon aus, dass Solo-Selbständigkeit eine eher aus der Not heraus geborene, defizitäre Form von Berufstätigkeit ist. Dies mag in manchen Bereichen zutreffen – für die meisten der in Deutschland tätigen solo-selbständigen Spezialisten gilt das eher nicht. Die fehlende Anerkennung von Solo-Selbständigkeit als gleichwertige Erwerbsform ist eines der Anliegen der AGS.

Der Begriff des Solo-Selbstständigkeit ist in keinem Gesetz definiert. Von Solo-Selbstständigkeit wird dann gesprochen, wenn einzelne Personen (Unternehmer), die keine eigenen Mitarbeiter beschäftigen, ihre Werk- und Dienstleistung selbstständig, d.h. weisungsunabhängig und nicht in persönlicher Abhängigkeit, erbringen. Kennzeichnend sind die zwei Merkmale: allein und selbstständig. Zwei Millionen Solo-Selbstständige arbeiten in Deutschland, das sind etwa fünf Prozent der Erwerbstätigen. Wissenschaftliche Forschungen zu den spezifischen Belastungskonstellationen sowie den Konsequenzen von Solo-Selbstständigkeit für Gesundheit und Wohlbefinden gibt kaum.

Die Zahl der Solo-Selbständigen in Deutschland hat in den letzten Jahren eher abgenommen, allerdings sind auch Gründungen zurückgegangen und insbesondere der Wechsel von Arbeitslosen in die Solo-Selbständigkeit hat sich verringert., da es angesichts der günstigen Konjunkturlage vor der Corona-Pandemie oft bessere Beschäftigungsalternativen gab.

Solo-Selbstständigkeit ist auch ein Ausdruck einer wachsenden Individualisierung und eines gestiegenen Unabhängigkeitsstrebens. Der Schritt in die Selbständigkeit schafft Freiräume in der Arbeitsgestaltung, um berufliche Anforderungen in Einklang mit der privaten Lebenswelt zu bekommen. Solo-Selbständigkeit wird jedoch auch durch die wachsende Bedeutung von Wissen begleitet.

Vorteile einer Solo-Selbstständigkeit:

  • Freelancer verdienen trotz der hohen Ausgaben in der Selbstständigkeit mehr als in einem Angestelltenverhältnis.
  • Souveränität über Entscheidungen wann, wo gearbeitet wird und mit welchen Kunden.
  • Einfachere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ausgewogenere Work-Life-Balance.
  • steuerliche Vorteile.

Je mehr sich die Arbeitsmodelle von Selbstständigen verändern, umso schwieriger wird die Abgrenzung zwischen Freelancer, Anstellung und Solo-Selbstständigkeit. So arbeiten viele Solo-Selbstständige zwar alleine, kooperieren aber mit anderen Freelancern, haben Unterauftragnehmer oder erhalten Hilfe durch Familienangehörige.

Bei der Vielfältigkeit von Solo-Selbstständigkeit steigt das Risiko, dass Solo-Selbstständige in die Problematik der Scheinselbstständigkeit geraten können. Denn Solo-Selbstständige, die nur einen (Haupt-) Auftraggeber haben, weisungsgebunden und vielleicht sogar in dessen Räumlichkeiten tätig sind, gelten unter Umständen als scheinselbstständig.

Auch wenn ein Teil der Solo-Selbstständigen hohe Einkünfte erzielt, liegt das durchschnittliche Einkommen unter dem der Arbeitnehmer, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) 2015 festgestellt hat. Viele kämen über Einkünfte, wie sie Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor beziehen, nicht hinaus.

Es mangelt bei Solo-Selbstständigen an ausreichenden Instrumenten, die ein existenz-sicherndes Einkommen und ausreichenden sozialen Schutz garantieren können.  Seit 2009 gilt eine nachrangige Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, weiterhin gibt es nur begrenzte Möglichkeiten für Selbstständige, sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung zu versichern. In der Rentenversicherung sind nach § 2 SGB V nur wenige Gruppen kraft Gesetzes pflichtversichert, wie Handwerkerinnen und Handwerker, in Pflegeberufen Tätige, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Künstlerinnen und Künstler, Publizistinnen und Publizisten, Hebammen oder Seelotsen.

Berufe in der Solo-Selbstständigkeit (kleine Auswahl)

Landwirt, Gärtner, Floristen, Glas- Keramik-, Holzverarbeiter, Klempner, Installateure, Mechaniker, KFZ-Mechatroniker, Feinmechaniker, Optiker, Elektriker, Textil-, Lederberufe, Bäcker, Köche, Fleischer, Sonstige Fertigungsberufe, Techniker Ingenieure, Architekten, Vertreter, Finanzdienstleister, Verkehrsfachleute, Werbefachleute, Vermittler, Makler, Fahrzeugführer, Sonst. Verkehrsberufe, Steuer-, Wirtschaftsfachleute, Verwalter, Buchhalter,  IT-Kräfte, Bürokräfte,  Hausmeister, Sicherheitsberufe, Juristen, Rechtspfleger, Journalisten, Publizisten, Bibliothekare, Dolmetscher, Musiker, Künstler, Schausteller, Schaugewerbe-gestalter, Fotografen, Ärzte, Apotheker  Heilpraktiker, Masseure, sonstige therapeutische Berufe, soziale Berufe, pflegerische Berufe, Hebammen, Tagesmütter, Lehrer, Sport-, Fahrlehrer, Psychologen, Psychotherapeuten, Friseure, Kosmetiker, gastwirtschaftliche Berufe, hauswirtschaftliche Berufe, Reinigungsberufe, Schornsteinfeger

Die AGS setzt sich ein für

  • eine Überarbeitung des Statusfeststellungsverfahrens, ob die Abgrenzungsregelungen ausreichen
  • Verbot von Scheinwerkverträgen, indem die Beweislast, ob ein Vertrag rechtmäßig ist, dem Auftraggeber zugewiesen wird
  • Senkung der Mindestbeitragsbemessung in der gesetzlichen Krankenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung mit leistungsgerechten Beiträgen für alle Solo-Selbstständigen
  • Einführung einer Solidarischen Mindestrente
  • Ausweitung der Pflichtversicherung in der GRV, soweit nicht in einem Versorgungswerk abgesichert
  • Reales Einkommen als Bemessungsgrundlage für Krankenversicherung und Rentenversicherung
  • Verbesserung des Mutterschutzes
  • Gesetzliches Mindesthonorar, dass den gesetzlichen Mindestlohn nicht unterschreiten darf
  • Ausweitung der gesetzlichen Unfallversicherung auf Solo-Selbstständige
  • Anwendung der Arbeitsschutzpflichten
  • Sozialschutz in Form eines Kurzarbeitergeldes und Insolvenzversicherung
  • Prävention und Gesundheitsförderung
  • Gleichstellung bei staatlicher Wirtschaftsförderung gegenüber anderen Unternehmensformen